Rekonstruieren. Konservieren. Sanieren.
Steinmetze und Denkmalpflege-Fachleute arbeiten Hand in Hand



Die Restaurierung und die Rekonstruktion historischer Bauten und Skulpturen aus Naturwerkstein gehört zu den klassischen Tätigkeitsfeldern des Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks.



Ob als Einzelfigur, Baudetail einer Fassade oder Wandfläche – Naturstein gehört zu vielen Denkmälern und reagiert mitunter sensibel auf Witterungs- und Umwelteinflüsse. Die Denkmalpflege will diesen Verwitterungsprozessen frühzeitig begegnen. Dazu braucht es umfangreiches Fachwissen. So entfernt beispielsweise der Steinrestaurator mit dem Micromeißel vorsichtig Patinaschichten. Mit der Injektionsspritze wird loses Steinmaterial gefestigt und wieder mit dem Untergrund verbunden. Ziel ist es, den Stein im Original zu erhalten. Der Steinmetz fügt dort Passstücke ein, wo der Zahn der Zeit eine Konservierung nicht mehr zulässt. Und bei Skulpturen kann im Einzelfall der Bildhauer erforderlich sein, um wichtige fehlende Details nachzumodellieren. Nach der vorsichtigen Endreinigung kann der Stein wieder einige Jahre Witterungseinflüssen ausgesetzt werden.



„Das Gewerk, das ursprünglich die Arbeiten ausgeführt hat, soll diese auch restaurieren. Denkmalpflege funktioniert nicht ohne Handwerk“, so Prof. Dr. Gottfried Kiesow, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und einer der Väter des Peter Parler-Preises. Dieser Preis, der seit 1999 alle zwei Jahre auf der Stone+tec in Nürnberg verliehen wird, ist dem Steinmetzhandwerk vorbehalten. Er soll darauf aufmerksam machen, dass und wie Steinmetze zur Pflege und zum Erhalt des Kulturguts beitragen. Gleichzeitig soll der Preis Steinmetze dazu ermutigen, sich vermehrt in der Denkmalpflege zu engagieren und dabei die Grundsätze und Qualitätsansprüche der amtlichen Denkmalpflege zu berücksichtigen. Ausgezeichnet werden qualitativ hochwertige Arbeiten an Denkmalpflegeobjekten aus Naturwerkstein. Preiswürdig im Sinne des Wettbewerbs sind beispielhafte Leistungen zur Erhaltung und Pflege von Kulturdenkmalen, also Konservierungs-, Restaurierungs- und Ergänzungsarbeiten an und aus Naturwerkstein in Abstimmung mit der amtlichen Denkmalpflege. Gewürdigt wird kreativ handwerkliches Können (z.B. gekonnter Einsatz von Vierungen und Teilrekonstruktion mit dem Ziel weitestgehender Erhaltung der Originalsubstanz) oder denkmalpflegerisch fachgerecht durchgeführtes und sorgfältig dokumentiertes Konservieren. Die Einbindung von externen Fachleuten wie Denkmalpflegern, Diplom-Restauratoren, Kunsthistorikern und Naturwissenschaftlern wird positiv mit bewertet.

Ausschreibung und Bewertungskriterien zeigen, worauf es bei der Konservierung und Restaurierung von Denkmalpflegeobjekten aus Naturwerkstein ankommt. Sie machen deutlich, dass sich das Handwerk nicht nur auf sich selbst verlassen, sondern mit Denkmalpflegern und Wissenschaftlern kooperieren sollte – immer mit dem Ziel, genau das zu tun, was für das jeweilige Objekt das nachhaltig Beste ist. Bisweilen gibt es Interessenskonflikte: Natürlich ist dem Steinmetzen daran gelegen, steinmetzmäßig zu arbeiten. Vierungen zu setzen ist ihm in der Regel näher als die Verarbeitung von Ergänzungsmörteln, selbst wenn er beides beherrscht. Auch ist er – im Gegensatz zu vielen Denkmalpflegern, kein Gegner der Rekonstruktion von Gebäudeteilen, die bereits sehr stark geschädigt sind. Dem Denkmalpfleger geht es in der Regel um die weitestgehende Erhaltung der Originalsubstanz, wie sie auch in der Charta von Venedig gefordert wird. Ihm geht es nicht darum, wieder ein schönes Gesamtbild zu erzeugen, sondern das Denkmal samt Zeitspuren für die Nachwelt zu erhalten. Restaurierungsspuren dürfen nicht nur, sondern sollen sichtbar bleiben, weil auch die Restaurierung Teil der Geschichte ist. Manchen Steinmetz gehen die Auflagen der amtlichen Denkmalpflege, die je nach Bundesland und Person unterschiedlich ausfallen, zu weit. Umgekehrt wirft mancher Landeskonservator dem einen oder anderen Handwerk mangelnden Respekt vor der Geschichte des jeweiligen Denkmals vor.



Umso wichtiger ist der Austausch. Der Steinmetz kann im Dialog mit Denkmalpflegern, Diplom-Restauratoren und Wissenschaftlern ebenso viel lernen wie diese Berufsgruppen von ihm. Gute Steinmetzmeister sind dem Stein tief verbunden und verfügen über einen überlieferten Kenntnisschatz, der vielen Wissenschaftlern fehlt, von den handwerklichen Fähigkeiten ganz zu schweigen. Wenn es um den Stein und historische Bearbeitungstechniken geht, ist der Steinmetz der Fachmann – jedenfalls sollte er es sein. Er weiß, wo welcher Stein zu finden ist, wo historische Materialien aus stillgelegten Brüchen noch zu finden sind und welcher Stein gegebenenfalls den originalverbauten Stein ersetzen kann. Er muss sich aber auch dafür öffnen, dass es, gerade im Bereich der Konservierung, neue Mittel und Methoden gibt. Voraussetzung für einen fruchtbaren Dialog ist die gemeinsame Sorge um das zu konservierende oder restaurierende Baudenkmal und bei Rekonstruktionsvorhaben der Wunsch, dem Original in Form, Technik und Liebe zum Detail möglichst gerecht zu werden.





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